Schimmel vorbeugen
Renovieren wie die Profis
Schimmelvorbeugung

Eine 4‑köpfige Familie bringt jeden Tag eine erstaunliche Menge an Feuchtigkeit in ihr Zuhause – und das ganz unbewusst durch alltägliche Tätigkeiten wie Kochen, Wäschewaschen und Duschen.
Beim Kochen verdampft Wasser aus Töpfen, Pfannen oder dem Kochwasser von Nudeln, Reis und Gemüse. So entstehen im Durchschnitt etwa 1 bis 2 Liter Wasserdampf pro Tag, abhängig davon, was und wie oft gekocht wird.
Auch das Wäschewaschen trägt erheblich zur Luftfeuchtigkeit bei. Besonders beim Trocknen in der Wohnung gelangen 3 bis 5 Liter Wasser pro Waschladung in die Raumluft, vor allem wenn die Wäsche auf Heizkörpern oder Leinen getrocknet wird.
Das Duschen und Baden ist eine weitere bedeutende Quelle. Schon eine einzelne Person setzt beim täglichen Duschen etwa 2 bis 3Liter Wasser in Form von Wasserdampf frei. Für vier Personen summiert sich das schnell auf acht bis zwölf Liter täglich.
Nicht zu vergessen ist das Atmen. Jeder Mensch gibt kontinuierlich Wasserdampf ab: Erwachsene etwa 0,3 Liter pro Tag, Kinder rund 0,25 Liter. Bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern entsteht so insgesamt etwa 1 Liter Wasser täglich allein durch das Atmen.
Alles in allem kann eine 4‑köpfige Familie somit leicht 10 bis 18 Liter Wasser pro Tag in ihre Wohnung abgeben.
1. FEUCHTIGKEIT KONTROLLIEREN
Schimmel entsteht dort, wo warme, feuchte Raumluft auf kalte Oberflächen trifft. Kühlt sich die Luft direkt an der Wand stark ab, steigt die relative Luftfeuchtigkeit lokal an – erreicht sie den Taupunkt, bildet sich Kondenswasser, und das ist der ideale Nährboden für Schimmel.
Mit einem Infrarot-Thermometer lässt sich ganz einfach die Oberflächentemperatur der Wände messen. Es misst die Oberflächentemperatur von Wänden, Decken oder Fensterbereichen – und das ganz ohne Berührung.
Solange die Wandtemperatur nur etwa 2 bis 3 °C unter der Raumluft liegt, besteht in der Regel noch kein Problem. Wird der Unterschied jedoch größer, also 4 bis 5 C° oder mehr, steigt das Risiko deutlich: Die Luft kühlt an der Wand ab, die Feuchtigkeit steigt, und es kann Kondenswasser entstehen. Besonders kritisch wird es, wenn Wandflächen im Wohnbereich auf 12 bis 13 °C oder weniger abkühlen. Dann ist die Gefahr von Tauwasser und Schimmel sehr groß.
Typische Schwachstellen sind dabei schnell ausgemacht: Außenwände in schlecht gedämmten Gebäuden, Fensterlaibungen und Rollladenkästen, aber auch Zimmerecken oder Bereiche hinter großen Möbelstücken. Dort zirkuliert die Luft schlechter, wodurch die Oberflächen schneller auskühlen und Feuchtigkeit sich leichter niederschlägt.
Ein weiteres kleines, aber äußerst hilfreiches Gerät, um die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen im Blick zu behalten, ist ein Hygrometer. Dabei gibt es verschiedene Varianten, die sich nicht nur im Preis, sondern auch in ihrer Ausstattung unterscheiden.

Die einfachste Form ist das analoge Hygrometer. Es kostet in der Regel zwischen 10 und 20 Euro und funktioniert ganz ohne Batterien. Diese Modelle sind schlicht, langlebig und ideal, wenn man einfach nur einen groben Überblick behalten möchte. Allerdings sind sie nicht immer so genau wie moderne Geräte und dienen meist nur zum Ablesen der aktuellen Luftfeuchtigkeit.
Etwas komfortabler sind digitale Hygrometer, die bereits ab etwa 15 Euro erhältlich sind. Sie zeigen die Werte präziser an und sind oft mit einem Thermometer kombiniert. Viele Modelle speichern zusätzlich Höchst- und Tiefstwerte oder geben einen Alarm, wenn bestimmte Grenzwerte überschritten werden. Damit eignen sie sich besonders gut für Menschen, die regelmäßig überprüfen möchten, ob in ihren Räumen ein gesundes Klima herrscht.
Noch einen Schritt weiter gehen Funk- oder WLAN-Hygrometer, die man für 30 bis 100 Euro bekommt. Diese Geräte lassen sich oft mit mehreren Sensoren verbinden, sodass man die Luftfeuchtigkeit gleichzeitig in verschiedenen Räumen messen kann – beispielsweise im Wohnzimmer, Schlafzimmer und Keller. Die Daten können auf das Smartphone übertragen werden, häufig sogar mit praktischen Diagrammen und Warnmeldungen. Gerade für Menschen, die Feuchtigkeit in schwer zugänglichen Bereichen wie Kellern oder Ferienhäusern überwachen möchten, sind diese smarten Modelle besonders praktisch.
2. RICHTIG LÜFTEN
Nach dem Duschen, Kochen oder Backen sollte man sofort lüften, damit die Feuchtigkeit schnell entweichen kann. Auch nasse Wäsche gehört nicht in geschlossene Wohnräume – besser trocknet sie draußen oder in einem gut belüfteten Bereich mit Abluft. Morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen sorgt kurzes Stoßlüften für frische Luft und ein gesundes Raumklima.
Auch nach dem Putzen, Staubsaugen oder körperlicher Aktivität in der Wohnung ist Lüften wichtig, da so Feuchtigkeit, Staub und Gerüche entfernt werden. Bei stark feuchten Räumen wie Badezimmern ohne Fenster oder Kellern sollte regelmäßig gelüftet oder auf eine funktionierende Abluft geachtet werden. Zudem gilt: Aquarien, viele Zimmerpflanzen oder Luftbefeuchter nur in Maßen einsetzen, da sie die Raumluft zusätzlich befeuchten.

Stoßlüftung
Stoßlüften ist die üblichste und sehr effektive Form des Lüftens, um wirkungsvoll Feuchtigkeit aus Innenräumen zu entfernen. Stoßlüften bedeu- tet, dass ein Raum über ein komplett geöffnetes Fenster belüftet wird. Die Türen sind geschlossen. Es erfolgt dabei der Luftaustausch von frischer und verbrauchter Luft über das gleiche Fenster. Bei der Stoßlüftung ist es empfehlenswert, in den Wintermonaten 5 Minuten, im Herbst und Frühjahr 10–15 Minuten und im Sommer 20–30 Minuten zu lüften. Es muss 2–4 mal täglich gelüftet werden.
Querlüftung
Die Querlüftung ermöglicht den schnellsten und effizientesten Luftaustausch. Beim Querlüften werden die sich im Raum gegenüberliegenden Fenster oder auch Türen weit geöffnet, sodass ein Durchzug geschaffen wird. Dabei wird auf der einen Seite frische Luft zugeführt und auf der anderen Seite die verbrauchte Luft abgeführt. Bei der Querlüftung reduziert sich die Lüftungszeit, sodass es ausreichend ist, in den Wintermonaten ca. 3 Minuten, im Herbst und Frühjahr 5–8 Minuten und im Sommer 10- 15 Minuten zu lüften. Auch hier ist ein 2–4 maliges Lüften am Tag erforderlich.
Nachlüftung
Schlafräume weisen die höchste Luftfeuchte auf. Die günstige Lüftungsvariante zur Vermeidung von Schimmelpilzbefall ist hier eine nächtliche Dauerlüftung durch Kippstellung der Fenster. Ist dies aus energetischen oder anderen Gründen nicht möglich, besteht die Möglichkeit am Folgetag nachzulüften. Dies soll früh am Morgen bei vollständig geöffneten Fenster erfolgen. Die Lüftungszeit muss mindestens 30 Minuten betragen. Kann erst abends nachgelüftet werden, so verdoppelt sich die Lüftungszeit.
Lüftungsdauer
Die optimale Lüftungsdauer hängt stark von der Jahreszeit ab. Im Winter sorgt die große Temperaturdifferenz zwischen warmer Raumluft und kühler Außenluft für einen besonders schnellen und wirksamen Luftaustausch. Je größer dieser Temperaturunterschied, desto mehr Feuchtigkeit kann die einströmende Luft aufnehmen. Sobald sie sich im Raum erwärmt, nimmt die trockene Außenluft zusätzliche Feuchtigkeit auf. Durch regelmäßiges, mehrmaliges Stoßlüften am Tag kann so die Luftfeuchtigkeit nach und nach wirksam reduziert werden.
3. AUSREICHEND HEIZEN

Damit es zuhause angenehm und gesund bleibt, sollten Räume nicht völlig auskühlen, sondern eine gleichmäßige Grundtemperatur behalten. Ideal ist es, die Heizung so einzustellen, dass sich überall ein wohliges Klima einstellt und keine großen Temperaturunterschiede zwischen den Zimmern entstehen. Wichtig ist auch, Heizkörper nicht mit Möbeln oder Vorhängen zu verdecken, damit die Wärme ungehindert zirkulieren kann.
Die optimalen Temperaturen variieren je nach Raum und Nutzung: Im Wohnzimmer sorgen etwa 20 bis 22 °C für Behaglichkeit beim Sitzen und Entspannen. Im Schlafzimmer sind etwas kühlere 16 bis 18 °C empfehlenswert, da sie erholsamen Schlaf fördern – ganz auskühlen sollte der Raum jedoch nicht, um Schimmelbildung zu vermeiden. Das Kinderzimmer darf mit 20 °C oder etwas wärmer gehalten werden, da Kinder empfindlicher auf Kälte reagieren. In der Küche reichen 18 bis 20 °C aus, da durch Kochen und Backen zusätzliche Wärme entsteht. Besonders wohlig sollte es im Badezimmer sein: Hier sind 22 bis 24 °C ideal, weil man sich oft nur leicht bekleidet aufhält.
So sorgt eine abgestimmte Temperaturregelung in allen Räumen nicht nur für Komfort, sondern auch für ein gesundes Raumklima und eine effiziente Energienutzung.
4. WOHNRÄUME RICHTIG EINRICHTEN
Bei der Einrichtung von Wohnräumen zählt nicht nur die Optik, sondern auch ein gesundes Raumklima. Ein häufiger Fehler besteht darin, Möbel direkt an kalte Außenwände zu stellen, denn dort sammelt sich leicht Feuchtigkeit, die das Risiko für Schimmelbildung erheblich erhöht.
Um dem vorzubeugen, sollten Möbelstücke stets mit etwas Abstand – mindestens 5 Zentimeter – zur Außenwand platziert werden, damit die Luft ungehindert zirkulieren kann. Größere Möbel wie Schränke oder Regale sind an Innenwänden besser aufgehoben, da diese in der Regel wärmer bleiben. Besonders in Schlafzimmern oder in weniger beheizten Räumen ist es wichtig, auf eine gute Luftzirkulation zu achten.
Auch die Materialienwahl der Möbel wirkt sich wesentlich auf das Raumklima aus. Naturmaterialien wie Massivholz haben den Vorteil, dass sie „atmen“ und Luftfeuchtigkeit in gewissem Maße puffern können – so entsteht ein ausgewogenes, angenehmes Raumklima. Polstermöbel wie Sofas oder Sessel können ein Risiko für Schimmelbildung darstellen – nicht nur an der Wand dahinter, sondern direkt im Inneren der Polster. Besonders in Sitz- oder Liegeflächen sammelt sich Feuchtigkeit aus Körperkontakt, zum Beispiel Schweiß oder Atemfeuchtigkeit.
Die Bauweise der Möbel ist ebenfalls entscheidend: Offene Regale oder Möbel auf Beinen lassen die Luft frei zirkulieren, während bodentiefe, komplett geschlossene Schränke die Luftbewegung blockieren und Feuchtigkeitsansammlungen begünstigen.
Mit diesen einfachen Anpassungen bei der Raumgestaltung lässt sich das Risiko für Schimmel deutlich reduzieren – und zugleich ein Wohnumfeld schaffen, das sowohl schön als auch gesund ist.

5. FEUCHTIGKEITSQUELLEN IM ALLTAG MINIMIEREN
Ein großer Teil der Feuchtigkeit, die in Wohnräumen entsteht, stammt direkt aus unserem Alltag. Vor allem beim Duschen oder Baden oder Kochen gelangt viel Wasserdampf in die Luft. Dabei hilft es, Dusche oder Badewanne nach der Nutzung mit einem Abzieher oder einem Tuch gründlich abzuwischen. Auf diese Weise bleibt deutlich weniger Restwasser zum Verdunsten zurück – die Luftfeuchtigkeit im Raum steigt nicht so stark an, und Schimmelbildung wird wirksam vorgebeugt.
Auch in der Küche lässt sich einiges tun: Mit einem Topfdeckel reduziert sich die Dampfentwicklung bereits erheblich. Zusätzlich unterstützt eine eingeschaltete Dunstabzugshaube den Abtransport der Feuchtigkeit.
Pflanzen tragen zwar zu einem angenehmen Raumklima bei, aber sie geben auch durch Verdunstung Feuchtigkeit ab. Ein großer Pflanzenbestand kann die Luftfeuchtigkeit spürbar erhöhen – in kleinen, schlecht belüfteten Räumen kann das zum Problem werden. Auch dekorative Elemente sind nicht zu unterschätzen: Ein Aquarium oder ein Zimmerbrunnen sorgt für zusätzliche Verdunstung und kann die Luftfeuchtigkeit dauerhaft auf ein hohes Niveau bringen.
Nicht zu unterschätzen sind zu dem versteckte Quellen: Ein kleiner Rohrbruch, eine undichte Stelle an der Wand oder ein tropfender Heizkörper können über längere Zeit für durchfeuchtete Bauteile sorgen – ein idealer Nährboden für Schimmel. Deshalb ist es wichtig, Wasserschäden nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern sofort beheben zu lassen.
Wer bewusst mit diesen Feuchtigkeitsquellen umgeht, schafft ein gesünderes Raumklima und reduziert die Gefahr, dass sich Schimmel überhaupt bilden kann.



